Mit Stoffwindeln die Umwelt schonen

Stoffwindeln - Klassisch mit Wollüberhose und Mullwindeln

Die meisten Babys werden mit herkömmlichen Einwegwindeln gewickelt. Diese haben ihre Vorteile: Das Kind liegt meistens im Trockenen und man kann sie benutzt entsorgen ohne Aufwand mit der Reinigung zu haben. Aber sind uns diese Argumente tatsächlich die Berge von Hausmüll wert, die jedes Baby und Kleinkind benötigt?

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Jeden Tag werden allein in Deutschland 10 Mio. Einwegwindeln weggeworfen; das entspricht ca. 155.000 Tonnen Müll pro Jahr (Quelle: Umweltbundesamt). Diese gelangen zu einem Großteil in Müllverbrennungsanlagen, wo sicherlich ein Teil der Energie zurückgewonnen werden kann, aber der Müll wird in der Natur eingelagert und das ist problematisch, da Einwegwindeln zu einem überwiegenden Anteil aus Plastik und Zellulose bestehen, die leider nur schlecht verrotten. Das Plastik kann sich zudem in Form von Mikroplastik in der Umwelt anreichern – mit bislang unbekannten Folgen.

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Es gibt Lösungen um Windeln ökologisch und nachhaltig zu produzieren und/oder biologisch abbaubar zu entsorgen oder sie wieder zu verwenden.

1. Viele Hersteller bieten Einwegwindeln an, die mit Ökostrom produziert werden und/oder ganz oder teilweise biologisch abbaubar sind. Diese Windeln kosten jedoch recht viel und die Verrottungszeiten sind recht lange. Zudem sind sog. Ökowindeln oftmals sehr schwer. Es wird aber aktuell nach biologisch abbaubaren Superabsorbern geforscht, die mehr Wasser aufnehmen können und die Windeln somit leichter machen können.

2. Mehrweg ist i. d. R. besser als Einweg; also auch besser als umweltfreundliche Einwegwindeln. Der einfachste Weg Müll zu vermeiden und den Geldbeutel zu schonen sind Stoffwindeln. Hierbei gibt es viele Varianten: All-in-ones, All-in-twos, All-in-threes, Snap-in-ones, Pocketwindeln, Windelhöschen mit Überhosen etc. Wer sich in die Materie einarbeitet wird feststellen, dass es nicht nur „die“ Stoffwindel gibt, sondern dass die Auswahl an Stoffwindeln und Kombinationsmöglichkeiten sehr groß ist und sehr individuell angepasst werden kann. Auch bei den Materialien gibt es eine große Vielfalt: von einer polyurethanlaminierten (PUL)-Außenhülle bis hin zur Merinowollüberhose und von Einlagen aus Baumwolle über Hanf bis hin zu Bambus.

Ich werde dir in weiteren Artikeln diese verschiedenen Formen von Stoffwindeln vorstellen; heute möchte ich die „klassische“ Weise mit Stoff zu wickeln zeigen.

Die großen Vorteile dieser Art von Stoffwindeln

1. Es ist die kostengünstigste Art zu wickeln.
2. Alle Bestandteile sind natürlich und atmungsaktiv

Die Nachteile

1. Die Windel wird innen nass; d. h. es muss häufiger gewickelt werden.
2. Die Wollüberhose ist recht dick; d. h. es passt nicht jede Hose darüber.
3. Die Mullwindeln können bei 60 Grad (bei kranken Kinder am besten bei mind. 90 Grad) gewaschen werden; die Wollüberhose muss von Hand gewaschen und hin und wieder gefettet werden. Jedoch muss sie nur gewaschen werden, wenn sie verschmutzt ist; ansonsten ist es ausreichend, sie auslüften zu lassen.

Auch wenn die Anzahl der Vorteile geringer erscheint als die Anzahl der Nachteile, sind die Vorteile viel gewichtiger und sprechen aus meiner Sicht für das klassische Stoffwickeln.​

Das benötigst Du um Dein Baby mit klassischen Stoffwindeln zu wickeln

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  1. Wollüberhose
  2. Mullwindel oder Windelhöschen
  3. Moltoneinlage oder Einlage der Wahl
  4. Windelvlies

Stoffwickeln für Neugeborene

Diese Technik eignet sich sehr gut für kleine Babys.

Zunächst wird eine Mullwindel zu einem Quadrat gefaltet. Hierbei liegt die geschlossene Kante links und die vier offenen Lagen befinden sich unten und rechts,

Dann nimmst du die oberen beiden Lagen der rechten oberen Ecke und öffnest sie so, dass die ursprüngliche Ecke nun links unten ist; d. h. du öffnest das oben liegende Quadrat zu einem Dreieck.

Dann drehst du das ganze einmal herum. Das ursprünglich unten liegende Quadrat liegt jetzt oben. Nun schlägst du das Quadrat von links her mehrmals ein bis sich in der Mitte des Dreiecks ein Steg bildet. Die Breite des Umschlags und somit auch des Stegs hängt von der Größe deines Babys ab; i. d. R. wird sie 6-10 cm betragen.

Zum Schluss legst du eine Vlieseinlage auf den Steg um die grobe Verschmutzung aufzufangen. Achte bei der Vlieseinlage darauf, dass sie kompostierbar ist und/oder in der Toilette heruntergespült werden kann. 

 

Das Baby wird nun so auf die Windel gelegt, dass die lange Seite im Rücken ist und die spitze Seite vorne hochgeklappt werden kann. Dann wird die rechte Spitze des Dreiecks links hinter die Hüfte gesteckt und die linke Spitze des Windeldreiecks endet rechts hinter der Hüfte. Wichtig ist hierbei, dass dadurch die vordere Spitze fixiert wird, damit diese nicht nach unten rutschen kann. 

Zum Schluss kommt nur noch die Wollüberhose darüber…und fertig.:-)

Stoffwickeln für größere Babys

Bei größeren Babys wird die Mullwindel zu einem Dreieck gefaltet und der Steg durch eine Einlage, wie z. B. aus Molton oder auch Hanf oder Bambus, geformt. Alternativ kann man saugfähige Einlagen oder Höschenwindeln (evtl. mit Einlagen zur Verstärkung der Saugkraft) mit Vlieseinlagen verwenden. Die abgebildete Höschenwindel besteht aus Baumwolle und benötigt ein paar Wäschen bis das Material voll saugfähig ist, aber der Vorteil ist, dass so ein Höschen atmet und nichts verrutschen kann. 

Auch kann bei älteren Babys eine Prefold in die Überhose gelegt werden. Diese ist saugfähiger als eine Mullwindel. Die Anleitung findest Du hier.

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Der entscheidende Vorteil von klassischen Stoffwindeln ist für mich, dass der Popo des Babys atmen kann. Und der Fakt, dass die Windel aus verschiedenen Bestandteilen besteht (was das Handling komplizierter als das der Einwegwindel erscheinen lässt), macht sie sehr individuell, da die Saugkraft und die Saugeigenschaft durch das Weglassen/Hinzufügen verschiedener Einlagen/Materialien angepasst werden kann. Man darf nicht außer Acht lassen, dass das Stoffwickeln insgesamt aufwendiger ist als das Wickeln mit Einwegwindeln, aber für mich überwiegen die Vorteile des Mehrweggedankens, der geringeren Kosten und (bei klassischen Stoffwindeln) der Atmungseigenschaften von Naturmaterialien. Ein wichtiger Tipp: Je mehr Einlagen verwendet werden oder je dicker die Überhose ist, desto mehr Probleme hat man nicht nur damit, eine Hose über das Windelpaket zu bekommen, sondern auch den Body zu schließen. Das Problem: Drückt der Body auf die Wollüberhose, kann es sein, dass diese an dieser Stelle durchnässt. Die Lösung: Man kann entweder Bodyverlängerungen benutzen oder einen Body in einer größeren Größe anziehen. Alternativ (so machen wir es) kann man bei warmen Temperaturen und Böden auch einfach den Body unten auf lassen und darauf achten, dass Bauch und Rücken möglichst vom Body oder der Überhose bedeckt werden. ​

3 thoughts on “Mit Stoffwindeln die Umwelt schonen

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